SZ Newsletter #17
Die folgende Mail erhältst Du von newsletter@seltsamer-zusammenschluss.org
Die Newsletter des Seltsamen Zusammenschluss sind barrierefrei gehalten. Bitte antworte nicht an diese Mailadresse, sondern trete gegebenenfalls mit dem Seltsamen Zusammenschluss über das Kontaktformular auf der Website http://seltsamer-zusammenschluss.org/ in Kontakt.
+++ Inhalt
++01 Ankündigung NN: »Aufhebung der Arbeit!« – Bewahrung, Abschaffung oder sublimierende Überwindung? (Referent: Biene Baumeister)
++02 Warum kein Programm No. 4 des SZ
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++01 Ankündigung NN: »Aufhebung der Arbeit!« – Bewahrung, Abschaffung oder sublimierende Überwindung? (Referent: Biene Baumeister)
Am Sonntag, den 2.12.2007, um 16 Uhr, findet der nächste Negative Nachmittag des Seltsamen Zusammenschluss statt.
Ort der Veranstaltung ist diesmal in den Wagenhallen Block 4 (Eingang links neben der Tangobar), Innerer Nordbahnhof 1, Stuttgart. (http://www.wagenhallen.de/anfahrt.htm)
Von der »Sozialdemokratie« über den »Realsozialismus«, von ML-Orthodoxien über Bewegungen wie »Operaismus«, »Autonomie« und »Postoperaismus« bis hin zur sogenannten »Neuen deutschen Wertkritik« (NdW) ist kaum ein Thema so affektiv besetzt und emotional aufgeladen wie »Arbeit«, und dies nicht ohne Grund. Seit Anfang der Klassengesellschaften ist die »Arbeit« ein gesellschaftliches »Kampfterrain«, sowohl in praktischer wie ideologischer Hinsicht. Diese Kämpfe in und um die »Arbeit« brachten zugleich relativen Fortschritt wie Regression und Vernichtung mit sich, was sich selbstverständlich auch immer ideologisch ausdrückt. Während der Entstehung der Arbeiterbewegung sahen die frühen Sozialdemokraten in »der Arbeit« den Grund allen gesellschaftlichen Reichtums und so fordern auch die heutigen »Arbeit für alle!«. Die »realsozialistischen« Akkumulationsregimes zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen gleich einen Schritt weiter und erhoben den Arbeitskultus zur Staatsreligion: »Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen!«, so Lenin in Anlehnung an den Apostel Paulus. Spiegelbildlich dazu sehen heutzutage etwa einige Protagonist_innen der NdW in »der Arbeit« den Grund allen gesellschaftlichen Übels, »ein irrationales Prinzip, das als Naturzwang erscheint« [Manifest gegen die Arbeit, S. 13]; sie stelle bloß die andere Seite des Kapitals »innerhalb des kapitalistischen Selbstzwecks« [ebd.] dar. Konsequenterweise fordern sie daher die »Abschaffung der Arbeit«.
Spätestens, seit »Arbeit macht frei« über dem Tor des Vernichtungslagers Auschwitz prangte (und auch an den Eingängen weiterer Vernichtungslager), wo der Wahn des deutschen Arbeitsethos zur Vernichtung aller führte, die als »Nicht-Arbeitende«, als sogenannte »Raffende« oder »Parasiten« projektiv stigmatisiert wurden, ist es geradezu notwendig angesagt misstrauisch zu sein, wenn »Arbeit« mit menschlicher Emanzipation per se gleichgesetzt wird.
Nähere Informationen und eine Literaturliste, die selbstverständlich keine Teilnahmebedingung ist, finden sich auf dem SZ-Blog:
http://seltsamer-zusammenschluss.org/?p=112#more-112
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++02 Warum kein Programm No. 4 des SZ
Auf dem vergangenen Plenum des SZ am 21.11. wurde die Frage nach einem neuen Pogramm für das 1. Halbjahr 2008 thematisiert. Hierbei kristallisierte sich das Unbehagen vieler Assoziierter über die hohe Schlagzahl, in der ein thematisches Fass nach dem anderen aufgemacht wird, heraus. Dieser Zustand führte in der letzten Zeit dazu, dass inhaltliche Diskussionen bestenfalls noch in der Diskussion auf dem Negativen Nachmittag, jedoch sonst in keiner Weise im SZ stattfand. Die Plenen waren hierbei bestenfalls technische Vor- und Nachbereitungstreffen für die Veranstaltungen. Dieser Zustand wird allgemein als unbefriedigend empfunden.
Nun steht dieses Faktum auch in einem verheerenden Widerspruch mit den Postulaten in dem Text »Über den Seltsamen Zusammenschluss« (http://seltsamer-zusammenschluss.org/?p=20#more-20), und dabei stellt das nicht die alleinige Diskrepanz in der Organisationform und den Vorstellungen über diese dar. Wissentlich verkommt man nach und nach zu einer Projektionsfläche für die “guten” Linken in Stuttgart, für die man allerdings nicht mal Dienstleister ist, wie man an der Publikumsstruktur der NNs ablesen kann. Was also tun?
Der SZ möchte ab sofort und vorerst den Fokus weg von der Diskussionsform der regelmäßigen Negativen Nachmittage legen, um den Diskussionsprozess jenseits administrativer Problemstellungen voranzutreiben. Dafür muss als erster Schritt die Diskrepanz aus den Postulaten die einmal zu einer Selbstverständigung gedacht waren mit der Wirklichkeit, wie sie sich für die Arbeit des SZ darstellt und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben konfrontiert werden. Durch die sehr intensive “Bildungsarbeit”, für die der SZ durch die Vergangenen Negativen Nachmittage den Grundstock zu legen versuchte, könnte ein Fundament für eine fruchtbarere Diskussion über diese Gedanken ermöglicht worden sein, als dies noch im Sommer 2006 der Fall gewesen ist.
Als organisatorische Überlegungen, wie denn diese Veränderung des Diskussionprozesses zu verwirklichen sei, wird eine über Thesenpapiere vermittelte, kollektive Diskussion und Aneignung angestrebt. Hierüber das große Problem der schlecht vorbereiteten Plenen aufzulösen und eben die Plenen inhaltlich aufzuwerten. Wie dieser Prozess in der Umsetzung sich darstellen wird, und was das für die Assoziationsform und eine weitere Legitimation bedeutet, das wird zu beobachten sein. Auch heißt der Abschied von einem Halbjahresprogramm keineswegs, dass keine Veranstaltungen mehr durchgeführt werden. Nur sollen in Zukunft diese Veranstaltungen tatsächlich aus den Auseinandersetzungen des SZ entspringen und diese vorantreiben.
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